Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, gerötetes Zahnfleisch oder ein unangenehmer Geschmack im Mund – viele Menschen ignorieren diese Warnsignale oder halten sie für harmlos. Dabei können sie erste Anzeichen einer Parodontitis sein, einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparats, die unbehandelt zum Zahnverlust führen kann. Noch gravierender: Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen Parodontitis und schwerwiegenden Allgemeinerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie eine Parodontitis frühzeitig erkennen, warum sie so gefährlich ist und welche Behandlungsmöglichkeiten Ihnen helfen können.
Was ist Parodontitis und wie entsteht sie?
Parodontitis, umgangssprachlich oft als Parodontose bezeichnet, ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodont). Dieser besteht aus dem Zahnfleisch, dem Kieferknochen, der Wurzelhaut und den Fasern, die den Zahn im Knochen verankern. Wenn diese Strukturen durch eine chronische Entzündung zerstört werden, verlieren die Zähne ihren Halt und können ausfallen.
Von der Gingivitis zur Parodontitis
Die Entwicklung einer Parodontitis verläuft typischerweise in mehreren Stadien:
Stadium 1: Gingivitis (Zahnfleischentzündung) Am Anfang steht fast immer eine oberflächliche Zahnfleischentzündung. Bakterielle Beläge (Plaque) am Zahnfleischrand führen zu einer Entzündungsreaktion. Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet leicht beim Putzen. In diesem Stadium ist die Erkrankung noch vollständig reversibel.
Stadium 2: Frühe Parodontitis Wird die Gingivitis nicht behandelt, breitet sich die Entzündung in die Tiefe aus. Es bilden sich Zahnfleischtaschen – Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch, in denen sich Bakterien ungestört vermehren können. Der Kieferknochen beginnt sich abzubauen.
Stadium 3: Fortgeschrittene Parodontitis Die Taschen werden tiefer, der Knochenabbau schreitet voran. Zähne können sich lockern, Zahnfleisch geht zurück, Zahnhälse liegen frei. Ohne Behandlung droht der Zahnverlust.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache für Parodontitis sind bakterielle Beläge. Doch nicht jeder Mensch mit Plaque entwickelt eine Parodontitis. Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Erkrankung:
Unbeeinflussbare Faktoren:
- Genetische Veranlagung (familiäre Häufung)
- Bestimmte Allgemeinerkrankungen (Diabetes, Immunschwäche)
- Hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Wechseljahre)
- Zunehmendes Alter
Beeinflussbare Faktoren:
- Mangelnde Mundhygiene
- Rauchen (erhöht das Risiko um das 4-6fache)
- Stress und psychische Belastungen
- Unausgewogene Ernährung
- Übergewicht
- Bestimmte Medikamente
Studien zeigen, dass etwa jeder zweite Erwachsene in Deutschland Anzeichen einer Parodontitis aufweist, bei den über 65-Jährigen sind es sogar etwa zwei Drittel. Damit ist Parodontitis die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter.
Die Warnsignale: So erkennen Sie Parodontitis frühzeitig
Das Tückische an Parodontitis ist, dass sie im Anfangsstadium oft kaum Beschwerden verursacht. Viele Betroffene bemerken die Erkrankung erst, wenn bereits erhebliche Schäden entstanden sind. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale zu kennen und ernst zu nehmen.
Frühe Anzeichen einer Parodontitis
Achten Sie auf folgende Symptome:
Zahnfleischbluten: Das häufigste und wichtigste Frühwarnzeichen. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht beim Putzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Jede Form von Zahnfleischbluten sollte von einem Zahnarzt in Hamburg abgeklärt werden.
Gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch: Gesundes Zahnfleisch ist blass-rosa und liegt straff am Zahn an. Bei einer Entzündung wirkt es gerötet, geschwollen und manchmal glänzend.
Mundgeruch und schlechter Geschmack: Bakterien in Zahnfleischtaschen produzieren schwefelhaltige Verbindungen, die einen unangenehmen Geruch und Geschmack verursachen. Dieser lässt sich durch normales Zähneputzen nicht beseitigen.
Empfindliche Zähne: Wenn das Zahnfleisch zurückgeht, liegen die empfindlichen Zahnhälse frei. Heiße, kalte oder süße Speisen können dann Schmerzen verursachen.
Fortgeschrittene Symptome
Bei fortschreitender Parodontitis kommen weitere Anzeichen hinzu:
- Zahnfleischrückgang (die Zähne wirken länger)
- Sichtbare Zahnfleischtaschen oder Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch
- Eiteraustritt aus den Zahnfleischtaschen
- Lockere Zähne oder Zahnwanderungen
- Veränderungen beim Zusammenbiss
- Lückenbildung zwischen den Zähnen
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, sollten Sie zeitnah einen Zahnarzt in Hamburg Wandsbek oder in Ihrer Nähe aufsuchen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.
Warum Parodontitis mehr als nur ein Zahnproblem ist
Lange Zeit wurde Parodontitis ausschließlich als zahnmedizinisches Problem betrachtet. Heute wissen wir: Die chronische Entzündung im Mund hat weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Körper. Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) aus dem Jahr 2025 hat erstmals wissenschaftlich belegt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Parodontitis und schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht.
Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die chronische Entzündung im Mundraum hat systemische Auswirkungen:
Erhöhtes Herzinfarkt-Risiko: Bakterien aus den Zahnfleischtaschen können in die Blutbahn gelangen und Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen auslösen. Dies begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und erhöht das Risiko für Herzinfarkt um bis zu 25%.
Schlaganfall-Risiko: Studien zeigen, dass Menschen mit Parodontitis ein deutlich erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben. Die Entzündungsmediatoren können zur Bildung von Blutgerinnseln beitragen.
Endokarditis: Bakterien aus dem Mundraum können bei Patienten mit Herzklappen-Problemen eine gefährliche Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) verursachen.
Wechselwirkung mit Diabetes
Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes ist besonders gut dokumentiert:
- Diabetiker haben ein 3-fach erhöhtes Risiko für Parodontitis
- Parodontitis erschwert die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern
- Erfolgreiche Parodontitis-Behandlung verbessert die Blutzuckerwerte
- Beide Erkrankungen verstärken sich gegenseitig
Weitere gesundheitliche Risiken
Atemwegserkrankungen: Bakterien aus dem Mundraum können in die Lunge gelangen und Lungenentzündungen oder chronische Atemwegserkrankungen begünstigen, besonders bei älteren Menschen.
Schwangerschaftskomplikationen: Schwangere Frauen mit unbehandelter Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko für:
- Frühgeburten
- Niedriges Geburtsgewicht
- Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
Rheumatoide Arthritis: Es besteht ein bidirektionaler Zusammenhang: Parodontitis kann Rheuma verschlimmern, und Rheuma-Patienten entwickeln häufiger Parodontitis.
Demenz und Alzheimer: Neuere Forschungen legen nahe, dass chronische Entzündungen im Mundraum auch das Risiko für kognitive Erkrankungen erhöhen können.
Diese Erkenntnisse unterstreichen, wie wichtig die Behandlung und Prävention von Parodontitis nicht nur für die Zahngesundheit, sondern für die Gesundheit des gesamten Körpers ist.
Die professionelle Diagnose beim Zahnarzt
Wenn Sie den Verdacht haben, an Parodontitis zu leiden, ist eine gründliche zahnärztliche Untersuchung unerlässlich. Zahnärzte in Hamburg führen dabei verschiedene Untersuchungen durch, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen.
Der Parodontale Screening-Index (PSI)
Als Basisuntersuchung dient der PSI, eine standardisierte Methode zur Früherkennung:
- Das Gebiss wird in sechs Bereiche eingeteilt
- Mit einer speziellen Sonde wird die Taschentiefe gemessen
- Blutungsneigung wird dokumentiert
- Jeder Bereich erhält einen Code von 0-4
PSI-Codes bedeuten:
- Code 0: Gesundes Parodont
- Code 1: Leichte Zahnfleischentzündung
- Code 2: Zahnstein vorhanden
- Code 3: Taschen von 3,5-5,5 mm
- Code 4: Taschen über 5,5 mm (schwere Parodontitis)
Detaillierte Parodontaluntersuchung
Bei auffälligem PSI-Befund folgt eine ausführliche Untersuchung:
Taschenmessung: An jedem Zahn werden an sechs Stellen die Taschentiefen gemessen. Gesundes Zahnfleisch hat Sulkustiefen von 1-2 mm. Taschen über 3,5 mm deuten auf eine Parodontitis hin.
Blutungsindex: Die Blutungsneigung beim Sondieren gibt Aufschluss über die Entzündungsaktivität.
Lockerungsgrad: Die Beweglichkeit der Zähne wird bestimmt, um den Knochenabbau einzuschätzen.
Röntgenaufnahmen: Röntgenbilder zeigen den Verlauf des Kieferknochens und das Ausmaß des Knochenabbaus.
Bakterientests: In speziellen Fällen kann eine mikrobiologische Untersuchung der Bakterien in den Taschen sinnvoll sein, um die Therapie gezielt anzupassen.
Moderne Behandlungsmöglichkeiten der Parodontitis
Die gute Nachricht: Parodontitis ist behandelbar. Je früher die Therapie beginnt, desto besser können Zähne und Knochensubstanz erhalten werden. Die Behandlung erfolgt in mehreren Phasen.
Phase 1: Vorbehandlung und Mundhygiene
Zunächst müssen die Grundlagen für den Behandlungserfolg geschaffen werden:
- Professionelle Zahnreinigung (PZR) zur Entfernung aller supra- und subgingivalen Beläge
- Ausführliche Mundhygiene-Instruktion
- Eliminierung von Plaque-Retentionsstellen (überstehende Füllungsränder etc.)
- Behandlung von Karies
- Optimierung häuslicher Mundhygiene-Maßnahmen
Der Patient muss lernen, seine Mundhygiene zu perfektionieren, denn ohne gute Mitarbeit ist keine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung möglich.
Phase 2: Systematische Parodontitis-Therapie
Die eigentliche Behandlung erfolgt heute meist in einer oder zwei Sitzungen unter lokaler Betäubung:
Geschlossenes Vorgehen (nicht-chirurgisch): Mit speziellen Handinstrumenten (Küretten) und Ultraschallgeräten werden die Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt:
- Entfernung bakterieller Beläge
- Glättung der Wurzeloberflächen
- Desinfektion der Taschen
Diese Methode wird bei leichter bis mittelschwerer Parodontitis angewendet und ist in den meisten Fällen ausreichend.
Antibiotika-Therapie: Bei aggressiven Formen oder bestimmten Bakterienkonstellationen kann zusätzlich eine antibiotische Behandlung notwendig sein – entweder systemisch als Tabletten oder lokal direkt in die Taschen.
Phase 3: Chirurgische Therapie
Wenn sehr tiefe Taschen (über 6 mm) bestehen oder die konservative Behandlung nicht ausreicht, können chirurgische Maßnahmen erforderlich sein:
Offenes Vorgehen: Das Zahnfleisch wird unter Betäubung zurückgeklappt, die Wurzeln werden unter Sicht gereinigt, und das Zahnfleisch wird wieder vernäht.
Regenerative Verfahren: Mit speziellen Materialien (Schmelz-Matrix-Proteine, Knochenersatzmaterialien, Membranen) kann in bestimmten Fällen verlorener Knochen teilweise wiederaufgebaut werden.
Phase 4: Erhaltungstherapie
Nach erfolgreicher Behandlung beginnt die wichtigste Phase: die lebenslange Nachsorge. Ohne konsequente Erhaltungstherapie (Recall) kommt es in über 80% der Fälle zu einem Rückfall:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (alle 3-6 Monate)
- Professionelle Zahnreinigungen
- Nachmessen der Taschentiefen
- Remotivation zur Mundhygiene
- Frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Rezidiven
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die systematische Parodontitis-Behandlung sowie für die Nachsorge in den ersten beiden Jahren. Danach müssen die regelmäßigen professionellen Zahnreinigungen meist selbst bezahlt werden – eine lohnende Investition in Ihre Gesundheit.
So beugen Sie Parodontitis effektiv vor
Die beste Therapie ist die Prävention. Mit konsequenter Mundhygiene und regelmäßigen Kontrollen können Sie Ihr Parodontitis-Risiko erheblich senken.
Die perfekte häusliche Mundhygiene
Zweimal täglich Zähneputzen:
- Mindestens 2 Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta
- Elektrische Zahnbürsten sind meist effektiver als Handzahnbürsten
- Mittlere bis weiche Borsten verwenden
- Systematisch alle Zahnflächen reinigen
Zahnzwischenraum-Reinigung: Die kritischsten Bereiche für Parodontitis sind die Zahnzwischenräume, wo die Zahnbürste nicht hinkommt:
- Zahnseide täglich verwenden (bei engen Zwischenräumen)
- Interdentalbürsten für größere Zwischenräume
- Richtige Größe und Technik sind entscheidend
Zungenreinigung: Auf der Zunge sammeln sich Bakterien, die zu Zahnfleischentzündungen beitragen können. Tägliche Zungenreinigung mit einem Zungenschaber reduziert die Bakterienlast.
Mundspülungen: Antibakterielle Mundspülungen können ergänzend sinnvoll sein, ersetzen aber niemals mechanische Reinigung.
Professionelle Zahnreinigung
Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen beim Zahnarzt in Hamburg sind der wichtigste Baustein der Prävention:
- Entfernung von Zahnstein und Belägen
- Reinigung schwer zugänglicher Stellen
- Politur der Zahnoberflächen
- Fluoridierung
- Individuelle Beratung zur Mundhygiene
Empfohlene Frequenz: 2-4 Mal jährlich, je nach individuellem Risiko.
Lebensstil-Faktoren
- Rauchstopp: Das Wichtigste für Parodontitis-Patienten
- Ausgewogene Ernährung: Viel Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren
- Stressmanagement: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem
- Diabetes-Kontrolle: Gute Blutzuckereinstellung bei Diabetikern
- Regelmäßige Zahnarztbesuche: Halbjährliche Kontrolluntersuchungen
Ihre Mundgesundheit liegt uns am Herzen
Parodontitis ist eine ernsthafte Erkrankung, die nicht nur Ihre Zähne, sondern Ihre gesamte Gesundheit gefährden kann. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und Allgemeinerkrankungen unterstreichen, wie wichtig die Früherkennung und konsequente Behandlung von Zahnfleischerkrankungen ist.
Wenn Sie Warnsignale wie Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder empfindliche Zähne bei sich bemerken, zögern Sie nicht, einen Termin zu vereinbaren. Eine gründliche Untersuchung bringt Klarheit, und je früher eine Parodontitis erkannt wird, desto unkomplizierter und erfolgreicher ist die Behandlung.
Die Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg Wandsbek bietet umfassende Diagnostik und moderne Therapieverfahren bei Parodontalerkrankungen an. Wichtig ist, dass Sie sich für eine Praxis entscheiden, die sich ausreichend Zeit für Ihre Betreuung nimmt und Sie auch langfristig in der Erhaltungstherapie begleitet – denn Parodontitis-Behandlung ist ein Marathon, kein Sprint.





